MOSAiC – Die größte Arktisexpedition aller Zeiten

Dr. Kirstin Schulz

von 16:00 Uhr – 16:40 Uhr im Audimax


zum Vortrag

Das MOSAiC-Projekt bringt erstmals einen modernen Forschungseisbrecher beladen mit wissenschaftlichen Instrumenten im Winter in die Nähe des Nordpols. Neben Polarstern werden weitere Eisbrecher zur Unterstützung eingesetzt – in einer ausgefeilten Choreografie, sodass es immer zum richtigen Zeitpunkt einen Nachschub an Treibstoff und Lebensmitteln gibt. Für den Crew-Austausch, für Versorgungsflüge und Forschungsflugzeuge wird eigens eine Landebahn eingerichtet. Um das Schiff herum wird zudem ein ganzes Netzwerk von Stationen auf dem Eis aufgebaut. Hier richten verschiedene Forscherteams Messstellen ein, um Ozean, Eis und Atmosphäre sowie das arktische Leben im Winter zu erforschen. Es kommen Helikopter, Raupenfahrzeuge und Schneemobile zum Einsatz. Dafür arbeitet das Alfred-Wegener-Institut mit über 70 anderen Institutionen aus 19 Ländern zusammen. Allein die Anzahl der Leute, die mitfahren, sprengt alle bisherigen Dimensionen.Diese aufwändige Polarmission ist nötig, weil den Wissenschaftlern weltweit wichtige Daten fehlen, um die Zukunft des Klimas und den Klimawandel besser einschätzen zu können. Die Arktis, die Eisbedeckung des arktischen Meeres, die Temperaturen und Luftströmungen im hohen Norden haben einen enormen Einfluss auf Klima und Wetter in den gemäßigten Breiten und letztlich auf der ganzen Nordhalbkugel. Nur wenn man die Vorgänge in der Arktis wirklich versteht, wird man abschätzen können, wie sich das Klima künftig entwickeln wird. Das Problem: Zwar brechen regelmäßig Eisbrecher in die Arktis auf, um Messdaten zu sammeln. Doch sind diese Expeditionen auf die Sommermonate beschränkt, wenn das Meereis so dünn ist, dass die Schiffe es durchbrechen können. Im eisigen und dunklen Polarwinter aber ist das Eis so dick, dass kein Forschungsschiff in die zentrale Arktis vorstoßen kann. Der Wissenschaft fehlen deshalb entscheidende Messdaten aus dem Winterhalbjahr – und damit versteht man die Vorgänge in der Arktis bis heute nur zum Teil. Das MOSAiC-Projekt wird diese Lücke schließen, indem die Arktis jetzt ein ganzes Jahr lang ohne Unterbrechung erforscht wird. Welche Route die Polarstern dabei nimmt, bestimmt allein die Natur. Unter https://follow.mosaic-expedition.org/ könnt ihr dem Schiff folgen und (fast) live dabei sein.

zum Dozenten

Dr. Kirstin Schulz, Physikalische Ozeanografin mit Schwerpunkt Turbulenz- und Arktisforschung. Ich bin gebürtige Clausthalerin, habe 2013 meinen Abschluss in Angewandter Mathematik and der TU Clausthal gemacht und arbeite jetzt am Alfred Wegener Institut in Bremerhaven. Im Frühjahr und Sommer 2020 werde ich 4 Monate im Nordpolarmeer verbringen, im Zuge des MOSAiC Projektes.